2025 lag der Verbraucherpreisindex im Jahresdurchschnitt bei 121,9 Punkten, gemessen an 2020 gleich 100. Die Jahresinflation betrug 2,2 Prozent. Beide Werte beschreiben denselben Zeitraum, aber unterschiedliche Dinge. Der eine zeigt, wo das durchschnittliche Preisniveau steht. Der andere zeigt, wie stark es gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist.

Wer die kleinere Rate als Rückkehr zu früheren Preisen liest, erwartet deshalb etwas, das die Zahl nicht verspricht. Für eine breite Preissenkung müsste der Index fallen. Wenn er langsamer steigt, wird der nächste Schritt kleiner. Die bisherigen Schritte bleiben bestehen.

Zwei Ansichten auf dieselbe Entwicklung

Die Grafik im Anschluss an den Text zeigt den Gesamtindex und die jährliche Veränderung getrennt. 2022 und 2023 waren die Raten höher als 2024 und 2025. Das Preisniveau stieg trotzdem in jedem dieser Jahre weiter. Die beiden Kurven dürfen nicht auf einer gemeinsam beschrifteten Achse landen: Punkte und Prozent sind verschiedene Einheiten.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel macht den Unterschied anschaulich. Kostet ein unveränderter Beispielwarenkorb zunächst 100 Euro, dann nach einer Steigerung 110 Euro und im nächsten Jahr 112,20 Euro, beträgt die letzte Erhöhung zwei Prozent. Der Warenkorb kostet weiterhin 12,20 Euro mehr als am Anfang. Die Modellrechnung veranschaulicht das Prinzip anhand realer Preisrelationen; sie bildet einen standardisierten Warenkorb ab.

Im Durchschnitt steckt kein einzelner Haushalt

Der Verbraucherpreisindex fasst viele Ausgaben zusammen. Ein Haushalt, der einen großen Teil seines Geldes für Wohnen oder bestimmte Lebensmittel ausgibt, erlebt die Entwicklung anders als ein Haushalt mit einer anderen Ausgabenverteilung. Das macht den Durchschnitt nicht falsch. Es begrenzt, welche persönliche Erfahrung er erklären kann.

Zur Belastung gehört außerdem das Einkommen. Zwei Menschen können die gleiche Preissteigerung erleben und sehr unterschiedlich damit zurechtkommen. Ein höherer Lohn kann einen Teil auffangen. Ein knappes Budget bietet dafür wenig Spielraum. Aus einer Inflationsrate allein lässt sich weder Entwarnung für alle noch eine gleichmäßige Verschlechterung für alle ableiten.

Diese Unterscheidung ist auch für politische Versprechen wichtig. Eine Maßnahme kann einzelne Ausgaben entlasten, ohne das gesamte Preisniveau zurückzudrehen. Eine zutreffende Erklärung sollte sagen, welche Ausgabe sie verändert und wer davon erreicht wird.

Worauf die nächste Zahl eine Antwort gibt

Eine neue Monatsrate beantwortet eine eng umrissene Frage zum Preisvergleich. Sie erklärt noch nicht, ob ein Haushalt nach Miete und notwendigen Ausgaben mehr Geld übrig hat. Dafür braucht es Informationen über Einnahmen, Ausgaben und ihren Zeitraum.

Wer über Lebenshaltungskosten diskutiert, kann deshalb zwei Fragen nebeneinander stellen: Wie schnell verändern sich die Preise gerade? Und auf welchem Niveau treffen sie auf welches Einkommen? Erst dann bekommt die scheinbar widersprüchliche Erfahrung eine nachvollziehbare Form.

Datenblick / Zwei verschiedene Größen

Preisniveau und Bewegung

Index, 2020 = 10095105115125202020212022202320242025121,9Veränderung zum Vorjahr (%)024682020202120222023202420252,2
Verbraucherpreise in Deutschland, Jahresdurchschnitte 2020–2025. Daten: Statistisches Bundesamt, GENESIS 61111-0001. Die Indexachse beginnt bei 95 und ist verkürzt. Die Veränderung für 2020 vergleicht mit 2019.
Alle Werte als Tabelle
Jahresdurchschnitte 2020–2025
JahrIndex (2020 = 100)Veränderung zum Vorjahr (%)
2020100,00,5
2021103,13,1
2022110,26,9
2023116,75,9
2024119,32,2
2025121,92,2

Quellen und Einordnung

Statistisches Bundesamt, GENESIS-Tabelle 61111-0001, Verbraucherpreisindex und Jahresveränderungen; Pressemitteilung Nr. 019 vom 16. Januar 2026 zum Jahr 2025, korrigierte Fassung. Die Daten beziehen sich auf Jahresdurchschnitte, nicht auf einen Einkaufszettel oder den September 2026. Die Modellrechnung dient der vergleichenden Einordnung. Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Bildungs-, Orientierungs- und Informationszwecken (rein edukative Zwecke) und stellt keine Finanz-, Steuer- oder sonstige Fachberatung oder Empfehlung dar. NachrichtenTrend berichtet unabhängig.