71 Prozent der erwachsenen Internetnutzer in Deutschland gaben im Digital News Report 2025 an, Nachrichten mindestens gelegentlich aktiv zu vermeiden. Zugleich bezeichneten 55 Prozent ihr Nachrichteninteresse als sehr hoch oder äußerst hoch. Die Studie des Hans-Bredow-Instituts stellt beide Ergebnisse nebeneinander.

Man darf daraus keine genaue Überschneidung der Gruppen errechnen, solange die entsprechende Auswertung fehlt. Die Fragen messen unterschiedliche Dinge. Die erste betrifft ein Verhalten, das auch gelegentlich auftreten kann. Die zweite betrifft das eigene Interesse. Eine Antwort auf die eine Frage ersetzt die andere nicht.

Die Pause ist genauer als das Etikett

Auch die Berichterstattung über Nachrichtenvermeidung beschreibt diesen Rückzug. Das Wort kann jedoch mehr Endgültigkeit nahelegen, als in „mindestens gelegentlich“ steckt. Wer an einem Abend keine Nachrichten sehen möchte, hat damit noch nicht jede Information aus seinem Leben gestrichen.

Die deutsche Onlinebefragung von YouGov fand vom 16. bis 30. Januar 2025 statt und umfasste 2047 Personen ab 18 Jahren. Sie erfasst Antworten erwachsener Internetnutzer. Sie ist weder ein Protokoll sämtlicher Medienkontakte noch eine Aussage über alle Menschen unabhängig von ihrer Internetnutzung. Diese Begrenzung gehört neben die große Prozentzahl.

Unsere Trendkarte ordnet deshalb verschiedene Zustände: Interesse, Kontakt mit einer Meldung, Auswahl, vertiefende Einordnung und bewusste Pause. Die Verbindungen zeigen mögliche Wege, keine gemessenen Übergangswahrscheinlichkeiten. Es gibt weder einen erfundenen Aufmerksamkeitsindex noch eine aus den zwei Prozentwerten konstruierte Venn-Grafik.

Die Art der Information macht einen Unterschied

In einem von unserer Redaktion geführten Gespräch schildert ein Leser seine Nutzungsgewohnheiten: Er verfolgt die Entwicklung von Wohnkosten und Arbeitsmarkt aufmerksam in Fachberichten, schaltet jedoch bei ständigen tagesaktuellen Konflikt- und Eilmeldungen nach Feierabend bewusst ab. Diese Person ist hochgradig an Hintergründen interessiert, meidet aber die tägliche Aufregungswelle. Für die Redaktion zeigt das, dass bewusste Pausen kein allgemeiner Rückzug aus der Information sind.

Das Beispiel erlaubt auch keine einfache Schuldzuweisung an einen Kanal. Eine Meldung im Fernsehen, ein Artikel oder ein Video kann relevant oder überfordernd sein. Entscheidend ist, was das Angebot verlangt und was es verständlich macht. Die hier gelieferte Trendkarte ist eine redaktionelle Ordnung dieser Frage, keine Wirkungsstudie.

Eine Aufgabe für Medien

Ein Nachrichtenangebot sollte seine Leser nicht nur an ihrem letzten Klick beurteilen. Ein klar gegliederter Zusammenhang kann auch dann nützlich sein, wenn jemand seltener vorbeikommt. Ein ausgewiesener Datenstand hilft bei der Rückkehr zu einem Thema. Eine Pause muss dabei nicht als Fehler behandelt werden.

Die Befunde aus 2025 beweisen nicht, dass jede ausführliche Erklärung Vermeidung verringert. Sie geben aber einen Grund, Interesse und ständige Nutzung auseinanderzuhalten. Für eine Redaktion folgt daraus eine Arbeitsfrage: Kann ein Beitrag Orientierung bieten, ohne den nächsten Kontakt bereits zur Voraussetzung seines Verständnisses zu machen?

Trendkarte / Redaktionelle Einordnung

Wege der Aufmerksamkeit

Interesse →Meldung entdecken →Auswählen ↓Später zurückkehren ↗Pause ←Zusammenhang lesen ←
Redaktionelle Einordnung, keine gemessene Wirkungskette. Die gestrichelten Felder und Pfeile zeigen einen möglichen Weg zwischen Interesse, Auswahl, vertiefendem Lesen und Pause. Sie messen weder Übergangsquoten noch eine zwingende Reihenfolge.
71 %

Mindestens gelegentliche Nachrichtenvermeidung

55 %

Äußerst oder sehr hohes Nachrichteninteresse

Zwei getrennte Befunde, keine errechnete Überschneidung.

Bezugsgruppe: erwachsene Internetnutzer in Deutschland. YouGov-Onlinebefragung, 16.–30.01.2025, 2047 Personen ab 18 Jahren. Digital News Report 2025, Hans-Bredow-Institut. Die Befragung erfasst Selbstauskünfte, keine vollständigen Medienkontakte.

Quellen und Einordnung

Julia Behre, Sascha Hölig, Ezra Stöwing und Judith Möller, Reuters Institute Digital News Report 2025: Ergebnisse für Deutschland, Hans-Bredow-Institut, Juni 2025, Kapitel zu Nachrichteninteresse und Nachrichtenvermeidung. ZEIT, dpa-Meldung zur Nachrichtenvermeidung, 17. Juni 2025. Die Trendkarte ist eine eigene redaktionelle Einordnung; das Lesergespräch beruht auf Recherchen unserer Redaktion. Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken (rein edukative Zwecke). NachrichtenTrend berichtet unabhängig von den zitierten Medienhäusern und Forschungsinstituten.