Justus Strelow
Justus Strelow

Justus Strelow: Der stille Schütze, der Deutschlands Biathlon-Herz eroberte

Justus Strelow: Es gibt diese besonderen Karrieren im Sport, die nicht nach Drehbuch verlaufen. Die nicht von frühkindlichem Genie oder nahtlosen Übergängen von einer Junioren-Weltmeisterschaft zur nächsten geprägt sind, sondern von Geduld, Rückschlägen und dem unbeirrbaren Glauben an den eigenen Weg. Die Geschichte von Justus Strelow ist so eine Karriere. Während andere mit 20 schon um Weltcupsiege kämpften, kämpfte der Sachse noch um einen festen Platz im deutschen Team. Er hörte früh den Rat seiner Mutter, Biathlon “als schönes Hobby zu sehen” . Jahrelang tat er genau das – und schaffte es doch, gegen alle Erwartungen an die absolute Weltspitze.

Heute, im Jahr 2026, ist Justus Strelow aus dem deutschen Biathlon nicht mehr wegzudenken. Mit zwei Bronzemedaillen bei den Weltmeisterschaften 2025 und dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille mit der Staffel bei den Spielen von Mailand-Cortina 2026 hat er sich endgültig in die Riege der deutschen Wintersport-Helden geschrieben . Doch wer ist dieser Mann, der mit stoischer Ruhe am Schießstand und mit eisernem Willen auf der Loipe überzeugt? Wie lebt der 29-Jährige abseits der Kameras, und was treibt ihn an, immer wieder an seine Grenzen zu gehen? Dieser Artikel taucht tief ein in die Welt von Justus Strelow. Wir beleuchten seinen steinigen Weg nach oben, seine größten Triumphe, seine Familie als Rückhalt und die besonderen Momente, die ihn zu dem Athleten gemacht haben, der er heute ist.

Die Wurzeln eines Kämpfers: Aus dem Osterzgebirge an die Weltspitze

Geboren wurde Justus Strelow am 30. Dezember 1996 in Dippoldiswalde, einer Kleinstadt im malerischen Osterzgebirge . Aufgewachsen in einer Region, die wie gemacht ist für den Wintersport, stand er bereits mit vier Jahren das erste Mal auf Langlaufskiern. Zusammen mit seinen Eltern erkundete er die Loipen rund um Altenberg, dem Zentrum des deutschen Biathlonsports . Dass aus diesem kindlichen Vergnügen eines Tages Ernst werden würde, war damals nicht abzusehen – am wenigsten von ihm selbst.

Der Schritt zum Biathlon war eher zufällig. Ein guter Bekannter der Familie war Trainer im Heimatverein, und so probierte es der junge Justus 2003 einfach mal mit dem Training mit dem Kleinkalibergewehr . Es war der Startschuss für eine Leidenschaft, die ihn nie mehr loslassen sollte. Um Schule und Sport optimal zu verbinden, wechselte er nach der Grundschule auf das renommierte Sportinternat in Altenberg . Hier, in der Wiege des deutschen Biathlons, wurden die Grundsteine für seine Zukunft gelegt. Erste Erfolge im DSV-Schülercup und -Deutschlandpokal folgten, und 2015 gab er bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Minsk sein internationales Debüt. Dort machte der damals 19-Jährige erstmals auf sich aufmerksam, indem er in allen Rennen der Jugendklasse unter die besten Zehn lief .

Der lange Weg ins Oberhaus: Zweifel und die erste Medaille

Der Weg von der Junioren-WM bis in den Weltcup ist gesäumt von Talenten, die scheitern oder auf der Strecke bleiben. Auch für Justus Strelow war dieser Weg steiniger als für manch anderen. Sein großes Vorbild? Vielleicht war es der stille Ehrgeiz, der ihn antrieb. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2017 im slowakischen Osrblie feierte er seinen ersten internationalen Medaillengewinn: Bronze mit der Staffel . Es folgten erste Podestplätze im IBU-Cup, der zweiten Liga des Biathlons. Im Februar 2020 wurde er für die Europameisterschaften im weißrussischen Minsk nominiert und gewann gemeinsam mit Stefanie Scherer Silber in der Single-Mixed-Staffel .

Der große Durchbruch ließ jedoch auf sich warten. Während andere seiner Altersklasse längst fest im Weltcup-Team etabliert waren, kämpfte Justus Strelow weiter um Anerkennung. In einem Interview verriet er später, wie sehr ihn diese Zeit prägte: “Ich solle Biathlon besser als schönes Hobby sehen, riet mir Mama als Kind und Jugendlicher immer. Und jahrelang tat ich das. Ganz nach oben zu kommen? Keine Chance! Also habe ich die Schule ernst genommen und Biathlon aus purer Leidenschaft betrieben” . Diese Worte zeigen die Demut und den Realitätssinn, die ihn auszeichnen – aber auch die innere Entschlossenheit, es allen Unkenrufen zum Trotz zu schaffen.

Die Saison 2020/21 wurde dann zum Wendepunkt. In der von der Corona-Pandemie überschatteten Zeit gewann er in gleicher Besetzung wie im Vorjahr EM-Gold in der Single-Mixed-Staffel . Sein erster internationaler Titel bei den Senioren. Aufgrund dieser starken Leistungen und eines guten sechsten Platzes im IBU-Cup-Gesamtklassement berief Bundestrainer Mark Kirchner ihn endlich zum Saisonfinale in Östersund in den Weltcup . Am 19. März 2021 gab Justus Strelow im schwedischen Östersund sein lang ersehntes Debüt und belegte im Sprint den 37. Platz – seine ersten Weltcup-Punkte waren perfekt .

Die Saison der Bestätigung: Erstes Podest und Weltcupsieg

Mit dem Fuß in der Tür wollte Justus Strelow nun natürlich mehr. Die Saison 2022/23 wurde zu seiner ersten kompletten Weltcupsaison – und sie begann wie ein Märchen. Gleich im zweiten Rennen in Kontiolahti lief er als Startläufer der Staffel mit Johannes Kühn, Benedikt Doll und Roman Rees auf Platz zwei und damit auf sein erstes Podest . Nur wenige Tage später schaffte er in Hochfilzen sein erstes Top-Ten-Ergebnis im Einzel in der Verfolgung und stand tags darauf erneut mit der Staffel auf dem Treppchen . Im Februar 2023 durfte er dann vor Heimpublikum in Oberhof seine ersten Weltmeisterschaften erleben und überzeugte mit konstant starken Leistungen und vier Top-15-Platzierungen .

Doch der absolute Höhepunkt seiner Karriere sollte erst noch kommen. Gleich zum Auftakt der Saison 2023/24 in Östersund unterstrich Justus Strelow eindrucksvoll seinen Anschluss an die Weltspitze. Im Einzel lief er auf Rang zwei – sein erster Einzel-Podestplatz im Weltcup . Es war der Lohn für jahrelange harte Arbeit und der Beweis, dass er nicht nur als Staffelläufer, sondern auch als Einzelstarter zur Weltklasse gehört. Am 20. Januar 2024 feierte er dann im italienischen Antholz an der Seite von Vanessa Voigt in der Single-Mixed-Staffel seinen ersten Weltcupsieg . Dieser Triumph war mehr als nur ein weiteres Podium; es war die Krönung eines Aufstiegs, den viele nicht für möglich gehalten hatten. Er beendete die Saison auf einem starken 14. Platz im Gesamtweltcup .

SaisonGesamtweltcupHöhepunkte / Anmerkungen
2024/2516.2x WM-Bronze (Lenzerheide) 
2023/2414.1. Weltcupsieg (Single-Mixed, Antholz), 1. Einzel-Podest (2. Platz, Östersund) 
2022/2321.1. komplette Weltcupsaison, 3 Staffelpodia, WM-Debüt 
2021/2267.Erste Top-15-Platzierung im Einzel 
2020/2182.Weltcup-Debüt, EM-Gold (Single-Mixed) 

Der Olympia-Winter 2026: Bronze und der Traum von mehr

Die Saison 2025/26 stand ganz im Zeichen des großen Ziels: den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Justus Strelow ging als geachteter Athlet in diesen Winter, ausgestattet mit der Erfahrung von zwei Weltmeisterschaften und dem Wissen, dass er an guten Tagen jeden schlagen kann. Der Saisonstart verlief mit kleinen Formschwächen, doch der 29-Jährige blieb gewohnt gelassen: “Ich mache mir keine Sorgen, bis dahin wird alles passen”, betonte er im Januar 2026 nach dem Heimweltcup in Oberhof . Sein größter Rückhalt in dieser Zeit: seine kleine Familie .

Und er sollte Recht behalten. Bei seinem ersten olympischen Rennen, der Mixed-Staffel über 4×6 km, sicherte sich das deutsche Quartett mit Justus Strelow die Bronzemedaille . Es war die erste Medaille für Sachsen bei diesen Spielen und ein emotionaler Moment für den Athleten aus Dippoldiswalde . Nur wenige Tage später, am 17. Februar 2026, legte er mit der Herren-Staffel nach – erneut Bronze . Zwei Olympia-Medaillen bei seiner Premiere – wer hätte das dem “Hobby-Sportler” aus Kindertagen zugetraut? Justus Strelow hatte es nicht nur an die Weltspitze geschafft, er hatte sich dort ein Denkmal gesetzt.

Der Schießkünstler: Zwischen Trefferquote und knappen Niederlagen

Was Justus Strelow im Weltcup besonders auszeichnet, ist seine oft herausragende Leistung am Schießstand. Er gilt als einer der besten Schützen im gesamten Weltcup-Zirkus . Während andere mit der Nervosität kämpfen und teure Schießfehler produzieren, zeichnet sich der Sachse durch eine bemerkenswerte Ruhe und Präzision aus. Diese Fähigkeit, unter Druck die Nerven zu bewahren, ist sein größtes Pfund im Kampf gegen die internationale Konkurrenz. Sie ist das Ergebnis unzähliger Trainingsstunden und einer mentalen Stärke, die er sich über die Jahre erarbeitet hat.

Dennoch ist der Weg zu einem Podestplatz auch für einen Schießkünstler wie ihn kein Selbstläufer. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür lieferte er im Dezember 2025 beim Massenstart im französischen Le Grand-Bornand. Justus Strelow räumte alle 20 Scheiben ab – eine fehlerfreie Schießleistung, von der viele nur träumen können. Im Zielsprint musste er sich dann aber dem Norweger Vetle Sjaastad Christiansen um die Winzigkeit von 0,5 Sekunden geschlagen geben . Rang vier, das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere, aber auch eine schmerzhaft knappe Niederlage. “Wenn ich mir die letzten Tage und Wochen ansehen, ist es keine Schande. Dass ich auf der Ziellinie noch überholt werde, ist ärgerlich. Aber ich bin trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden”, zeigte er sich im ZDF-Interview als fairer Sportsmann . Es sind diese Momente, die Justus Strelow ausmachen: Er kämpft, er beißt sich durch, und er akzeptiert auch Niederlagen mit einer Reife, die ihm niemand mehr nehmen kann.

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Privat: Die Familie als Fels in der Brandung

Abseits der Schießstände und Loipen führt Justus Strelow ein Leben, das fest in familiären Werten verankert ist. Er hat eine ältere Schwester und einen älteren Bruder, und seine Mutter engagiert sich ehrenamtlich als Übungsleiterin in seinem Heimatverein, der SG Stahl Schmiedeberg . Der Sport liegt der Familie im Blut, auch wenn er der einzige ist, der ihn professionell ausübt. Seine Hobbys sind denkbar bodenständig: Er interessiert sich für Motorräder und betreibt Modellbau – ein Ausgleich, der ihm hilft, den Kopf freizubekommen .

Sein privates Glück hat Justus Strelow längst gefunden. Seine Frau Elisa, die aus Erfurt stammt, lernte er vor einigen Jahren kennen. Im Jahr 2023 gaben die beiden ihre Verlobung bekannt, und am 18. Mai 2024 folgte die Hochzeit . Im August 2025 dann die frohe Botschaft: Das Paar wurde zum ersten Mal Eltern. Sohn Karl erblickte die Welt und stellte das Leben des Biathlon-Stars gehörig auf den Kopf . Die neue Rolle als Vater gab ihm noch einmal einen zusätzlichen Schub. “Karl gibt mir eine neue Perspektive”, verriet er in einem Interview . Die Familie begleitete ihn sogar ins Trainingslager – ein Novum, das er sehr genoss und das ihm half, die Herausforderungen des Olympia-Winters mit neuer Gelassenheit anzugehen .

Dass die Familie für ihn der wichtigste Rückhalt ist, zeigt sich auch in kleinen Gesten. Bei Wettkämpfen trägt Justus Strelow stets ein ganz besonderes Symbol bei sich: An seinem Diopter, dem Zielfernrohr seines Gewehrs, glänzt sein Verlobungsring – ein persönlicher Glücksbringer und ein Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit Elisa, die ihm auch in den schwierigsten Momenten Kraft gibt .

Fazit: Ein Vorbild an Geduld und Beständigkeit

Die Karriere von Justus Strelow ist eine der schönsten Geschichten, die der deutsche Biathlonsport in den letzten Jahren zu bieten hatte. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass ein geradliniger Weg nicht der einzige Weg an die Spitze ist. Während andere früh verbrannten oder am Druck zerbrachen, blieb der Sachse sich und seinen Werten treu. Er ließ sich nicht beirren von Rückschlägen, arbeitete geduldig an seinen Schwächen und wartete auf seine Chance. Als sie kam, ergriff er sie mit beiden Händen.

Mit zwei WM-Bronzemedaillen 2025 und zwei Olympia-Bronzemedaillen 2026 hat sich Justus Strelow in die Geschichtsbücher des deutschen Wintersports eingetragen . Doch wer ihn kennt, weiß, dass er sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen wird. Der 29-Jährige wird weiter hart arbeiten, weiter um jeden Meter auf der Loipe kämpfen und weiter mit stoischer Ruhe seine Scheiben abräumen. Angetrieben von seiner Familie, unterstützt von seiner Frau Elisa und seinem kleinen Sohn Karl, wird er auch in den kommenden Jahren ein verlässlicher Pfeiler des deutschen Teams sein. Justus Strelow ist mehr als nur ein erfolgreicher Biathlet. Er ist ein Vorbild für alle, die gelernt haben, dass Geduld und Beständigkeit letztlich mehr zählen als schnelle Erfolge. Er ist der stille Schütze, der das deutsche Biathlon-Herz im Sturm erobert hat – und das völlig zu Recht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Justus Strelow

Wie alt ist Justus Strelow?

Justus Strelow wurde am 30. Dezember 1996 geboren. Er ist derzeit 29 Jahre alt .

Welche Medaillen hat Justus Strelow gewonnen?

Justus Strelow hat bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina zwei Bronzemedaillen gewonnen (Mixed-Staffel und Herren-Staffel) . Zudem sicherte er sich bei den Weltmeisterschaften 2025 in der Lenzerheide zwei Bronzemedaillen (Mixed-Staffel und Single-Mixed-Staffel) .

Ist Justus Strelow verheiratet?

Ja, Justus Strelow ist seit dem 18. Mai 2024 mit seiner Frau Elisa verheiratet . Das Paar lernte sich in Erfurt kennen und gab 2023 seine Verlobung bekannt.

Hat Justus Strelow Kinder?

Ja, Justus Strelow ist Vater eines Sohnes. Sohn Karl kam im August 2025 zur Welt .

Für welchen Verein startet Justus Strelow?

Justus Strelow startet für seinen Heimatverein SG Stahl Schmiedeberg. Er trainiert jedoch am Stützpunkt in Oberhof .

Was sind die Hobbys von Justus Strelow?

Abseits des Biathlons interessiert sich Justus Strelow für Motorräder und betreibt Modellbau .

Wie ist Justus Strelows größter Erfolg im Einzel?

Sein größter Erfolg im Einzel ist der zweite Platz im Einzel von Östersund am 26. November 2023 . Zudem verpasste er im Dezember 2025 als Vierter im Massenstart von Le Grand-Bornand nur knapp ein weiteres Einzel-Podest .

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