Tchibo Kaffee
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Tchibo Kaffee: Vom morgendlichen Ritual zur nachhaltigen Verantwortung – Alles über Deutschlands Kaffeekult

Tchibo Kaffee: Es gibt wenige Dinge, die so tief im deutschen Alltag verwurzelt sind wie eine Tasse Kaffee am Morgen. Und wenn es eine Marke gibt, die dieses Ritual seit Generationen begleitet, dann ist es Tchibo Kaffee. Ob als klassische Feine Milde, der kräftige Eduscho oder die modernen Barista-Kreationen – die Hamburger haben es geschafft, aus einem schlichten Genussmittel ein Stück deutsche Lebensart zu machen. 164 Liter Kaffee trinkt jeder Deutsche pro Jahr, und ein ordentlicher Schluck davon stammt von Tchibo .

Doch Tchibo Kaffee ist heute weit mehr als nur das Produkt in der gelben oder grünen Verpackung. Das Unternehmen befindet sich mitten in der wohl größten Transformation seiner Geschichte. Während die einen noch diskutieren, ob der Filterkaffee nun besser schmeckt als der vom Discounter, arbeiten die Hamburger hinter den Kulissen an einer Frage, die für die Zukunft der gesamten Branche entscheidend ist: Wie rettet man den Kaffeeanbau vor dem Klimawandel? Mit dem ehrgeizigen Ziel, bis 2027 nur noch verantwortungsvoll eingekauften Kaffee anzubieten, hat Tchibo Kaffee einen Weg eingeschlagen, der weit über das reine Geschmackserlebnis hinausgeht .

In diesem Artikel nehmen wir Sie mit auf eine Reise. Von den Ursprüngen des Familienunternehmens über die neuesten Testergebnisse der Stiftung Warentest bis hin zu den Kaffeefarmen in Mittelamerika und den kompakten Vollautomaten für die heimische Küche. Sie erfahren, warum Tchibo Kaffee bei der sensorischen Qualität immer noch die Messlatte setzt, wo die Baustellen in Sachen Nachhaltigkeit liegen und ob sich die hauseigenen Maschinen für den perfekten Espresso lohnen. Tauchen Sie ein in die Welt der Bohne – zwischen Genuss und Verantwortung.

Die Bohne im Wandel: Was das Tchibo Kaffeeprogramm wirklich bedeutet

Wenn Sie morggen früh eine Tasse Tchibo Kaffee trinken, denken Sie vermutlich an den Geschmack, das Aroma oder vielleicht daran, ob der Preis zuletzt wieder gestiegen ist. Was Sie dabei wahrscheinlich nicht im Kopf haben, ist der Boden in Honduras, der Schattenbaum in Äthiopien oder die Kaffeesorte, die in Vietnam gerade gegen Trockenheit gezüchtet wird. Genau hier aber spielt sich seit einigen Jahren die vielleicht spannendste Geschichte rund um den Traditionsröster ab.

Pablo von Waldenfels, Leiter der Unternehmensverantwortung bei Tchibo, bringt es im Interview auf den Punkt: Kaffee ist ein Agrarprodukt, dessen Anbau vor gewaltigen Herausforderungen steht. Die Prognosen sind alarmierend. Bis 2050 könnten sich die Anbauflächen für Kaffee weltweit halbieren . Das klingt nach Zukunftsmusik, ist aber in Wahrheit schon heute spürbar. Dürren, Schädlinge, unregelmäßige Regenzeiten – all das macht den Farmern das Leben schwer. Und wenn die Ernte ausfällt, dann fehlt nicht nur der Kaffee, sondern das Einkommen für ganze Familien.

Genau hier setzt das Tchibo Kaffeeprogramm an. Es ist die Antwort des Unternehmens auf die Frage, wie man auch in zwanzig Jahren noch Tchibo Kaffee in gewohnter Qualität anbieten kann. Das Besondere daran: Tchibo hat seinen Ansatz grundlegend überdacht. Früher setzte man vor allem auf Zertifikate. Fairtrade, Rainforest Alliance, Bio – wer das Siegel hatte, galt als nachhaltig. Heute weiß man in Hamburg, dass das allein nicht reicht. Zertifizierungen sind gut, aber sie erfassen oft nicht die spezifischen Probleme vor Ort .

Deshalb geht Tchibo Kaffee heute einen anderen Weg. Statt alle Farmer pauschal auf eine Zertifizierung vorzubereiten, entwickelt das Team um von Waldenfels maßgeschneiderte Programme für jedes Anbauland. In Brasilien liegt der Fokus auf dem Schutz von Biodiversität und Wasserressourcen. In Honduras steht die Armutsbekämpfung im Vordergrund, während in Uganda der Aufbau widerstandsfähiger Kaffeesorten priorisiert wird . Über 13.000 Farmen in neun Ländern sind bereits Teil dieser Initiative . Das ist kein Greenwashing, sondern knallharte Transformationsarbeit.

Und die Zahlen geben dem Unternehmen recht. Schon heute stammen gut 20 Prozent des gesamten Rohkaffees aus diesem verantwortungsvollen Einkauf. Die Tendenz ist stark steigend . Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2027 soll jeder von Tchibo verkaufte Kaffee aus Regionen stammen, in denen kontinuierlich an der Verbesserung von umweltfreundlichen und sozialverträglichen Anbaupraktiken gearbeitet wird . Gemessen wird das nicht von Tchibo selbst, sondern von der unabhängigen gemeinnützigen Organisation Enveritas. Transparenz ist hier kein Werbeslogan, sondern harte Verpflichtung.

Geschmackskrone mit Schattenseiten: Was der große Kaffee-Test über Tchibo verrät

Kommen wir zum Kern der Sache. So sehr sich Tchibo Kaffee um Nachhaltigkeit bemüht – am Ende entscheidet der Geschmack. Und hier dürfen sich die Hamburger im Mai 2025 über einen echten Triumph freuen. Die Stiftung Warentest hat 15 gemahlene Filterkaffees unter die Lupe genommen, und der Sieger heißt: Tchibo Eduscho Filterkaffee Nr. 1 Klassisch .

Die Tester waren regelrecht begeistert. Sie beschrieben den Kaffee als kräftig mit starkem Duft, ausgewogenem Geschmack, deutlich bitter mit mittleren Schokoladennoten. Kaum Fruchtigkeit, wenig Säure – ein klassischer deutscher Filterkaffee, wie man ihn liebt oder ablehnt, aber mit einer Qualität, die nur mit „sehr gut“ bewertet wurde. In der sensorischen Prüfung gab es keine bessere Note für irgendein anderes Produkt . Wer also Wert auf puren Geschmack legt, kommt an Tchibo Kaffee auch 2025 nicht vorbei.

Doch die gute Nachricht hat einen Haken, und der wiegt schwer. Bei der erstmals durchgeführten Bewertung der Unternehmensverantwortung landete Tchibo auf dem letzten Platz. Note: ausreichend. Sowohl die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten als auch der Umweltschutz wurden kritisch gesehen . Das ist ein harter Kontrast. Einerseits der beste Kaffee im Test, andererseits die rote Laterne bei der Nachhaltigkeit. Für viele Verbraucher, die zunehmend Wert auf beides legen, ist das ein Problem.

Besonders schmerzhaft dürfte für Tchibo sein, dass ausgerechnet die vermeintlich billigen Discounter und kleinen Bio-Marken hier punkten. Der Aldi Nord Barissimo Classic kostet mit 8,60 Euro pro Kilogramm deutlich weniger als der Tchibo-Kaffee (11,20 Euro) und schnitt sowohl geschmacklich als auch bei der Unternehmensverantwortung mit „gut“ ab. Der dmBio Kaffee Klassik für 9,90 Euro und vor allem der Lebensbaum Kaffee Gourmet Klassisch (18 Euro) zeigen, dass es auch anders geht. Letzterer erhielt für seine Unternehmensverantwortung sogar ein „sehr gut“ .

Was lernen wir daraus? Tchibo Kaffee kann Kaffee machen – wirklich guten Kaffee. Keine Frage. Aber das Unternehmen hat einen langen Weg vor sich, um das Vertrauen der kritischen Konsumenten auch in puncto Fairness und Umweltschutz zurückzugewinnen. Das Ziel, bis 2027 nur noch verantwortungsvoll eingekauften Kaffee anzubieten, ist daher nicht nur ein nettes Extra, sondern existenziell für die Glaubwürdigkeit der Marke.

Von der Bohne zur Tasse: So gelingt der perfekte Tchibo zu Hause

All die Mühe in den Anbauländern nützt wenig, wenn zu Hause in der Küche alles falsch gemacht wird. Das wissen sie auch bei Tchibo Kaffee und geben sich daher große Mühe, ihre Kunden zur Zubereitung zu schulen. Es ist fast ein wenig ironisch: Die Deutschen lieben ihren Kaffee, aber viele behandeln ihn immer noch wie ein reines Extraktprodukt, das man einfach in die Maschine kippt und auf den Knopf drückt.

Dabei fängt alles mit der Aufbewahrung an. Tchibo Kaffee ist ein empfindliches Naturprodukt. Sauerstoff, Feuchtigkeit, Licht und Wärme sind die vier Todsünden des Aromas. Wer seinen Kaffed offen in der Küche stehen lässt, braucht sich über faden Geschmack nicht zu wundern. Tchibo empfiehlt daher ein luftdicht verschließbares, lichtundurchlässiges Gefäß aus Metall, Glas oder Porzellan. Ganze Bohnen halten sich im Kühlschrank etwa vier Wochen, gemahlener Kaffee zwei Wochen .

Dann der Mahlgrad. Es ist die erste und wichtigste Stellschraube für den Geschmack. Für die klassische Filtermaschine sollte der Tchibo Kaffee mittelfein gemahlen sein. Zu fein, und das Wasser läuft nur schwer durch, der Kaffee wird überextrahiert und bitter. Zu grob, und das Wasser rauscht einfach durch, es bleibt blass und sauer . Die Faustformel: Je kürzer die Brühzeit, desto feiner die Mahlstufe .

Auch die Menge ist entscheidend. Für 100 Milliliter Wasser empfehlen die Profis etwa 5 bis 6 Gramm Kaffeepulver. Wer es stärker mag, nimmt bis zu 8 Gramm. Wer es nicht abwiegen möchte: Ein leicht gehäufter Esslöffel entspricht etwa 7 bis 9 Gramm . Wer noch präziser arbeiten möchte, greift zu einer digitalen Kaffeewaage. Das mag für den Alltag übertrieben klingen, wer aber einmal den Unterschied zwischen geschätzten und gemessenen 16 Gramm auf 250 Milliliter Wasser geschmeckt hat, wird verstehen, warum Profis darauf schwören .

Und dann das Wasser. Es ist der größte unterschätzte Faktor. Weiches Wasser betont die Fruchtsäuren, hartes Wasser neutralisiert sie. Das volle Aroma eines 100 Prozent Arabica von Tchibo Kaffee entfaltet sich am besten mit einem mittleren Härtegrad . Und bitte, bitte: Kein kochendes Wasser auf den Kaffee gießen. 92 bis 96 Grad Celsius sind ideal. Alles darüber verbrennt die feinen Aromen und macht den Kaffee bitter .

Ein kleiner Profi-Tipp noch: Feuchten Sie den Papierfilter vor dem Einsetzen an. Das verhindert, dass Papiergeschmack in den Kaffee übergeht, und sorgt dafür, dass der Filter besser im Einsatz sitzt . Und wer echten frischen Tchibo Kaffee erkennen will, achtet auf die Kruste. Wölbt sich die Oberfläche des Pulvers beim Aufguss, ist das Kohlendioxid enthalten – ein untrügliches Zeichen für Frische .

Maschinen, die nicht die Bank sprengen: Tchibo-Vollautomaten im Praxistest

Kommen wir zu einem Thema, das viele Kaffeetrinker umtreibt: die Maschine. Seit 2018 mischt Tchibo auch im Geschäft mit Kaffeevollautomaten mit. Und das mit einer klaren Strategie: gute Technik zum fairen Preis. Bei Computer Bild wurden die Geräte zuletzt einem ausführlichen Test unterzogen, und das Ergebnis ist durchweg positiv – mit einigen Abstrichen, die man kennen sollte .

Zunächst zur Einordnung: Bei den Tchibo-Maschinen handelt es sich um sogenannte weiße Ware. Das bedeutet, sie sind im Prinzip baugleich mit Modellen von Severin, Grundig oder Beko. Das ist kein Nachteil, im Gegenteil. Wer eine etablierte Technik ohne Schnickschnack sucht, bekommt hier ein ausgereiftes Produkt. Der große Vorteil liegt auf der Hand: Die Geräte sind kompakt, schlicht und vor allem günstig .

Der aktuelle Testsieger im Hause Tchibo ist der Esperto Pro. Für etwa 280 Euro (Stand Oktober 2025) bekommt man eine Maschine mit integriertem Milchsystem, einfacher Bedienung und hoher Espressoqualität. Die Auswahl ist mit drei Kaffeeprogrammen (Espresso, Caffè crema, Cappuccino) zwar überschaubar, für den klassischen Kaffeetrinker aber völlig ausreichend. Einen Doppelbezug gibt es nicht, weil das Gerät nur einen Kaffeeauslauf hat – das sollte man wissen, wenn man oft für zwei Personen gleichzeitig kocht .

Wer auf den Doppelbezug Wert legt, greift zum Esperto 2 Caffè oder Esperto 2 Milk. Der Esperto 2 Caffè ist die Weiterentwicklung des ersten Tchibo-Vollautomaten. Er hat jetzt zwei Ausläufe, verzichtet aber auf ein Milchsystem. Wer puristischen Espresso oder Caffè crema trinkt, ist hier bestens bedient. Besonders gelobt werden die kompakte Bauweise (nur 18 Zentimeter breit), die geringe Lautstärke und der niedrige Stromverbrauch .

Der Esperto 2 Milk ist das Allround-Talent. Er hat zwei Ausläufe, ein praktisches Milchsystem mit Schlauch und Edelstahllanze und kostet etwa 350 Euro. Die Milchschaumqualität ist gut, aber nicht perfekt – das Mahlwerk arbeitet etwas laut, und die limitierte Getränkeauswahl bleibt auch hier ein Kritikpunkt .

Was alle Tchibo-Maschinen gemeinsam haben, sind die Kompromisse. Kein Gerät bietet einen installierbaren Wasserfilter. Kein Gerät hat ein Fach für vorgemahlenen Kaffee. Es gibt keine Nutzerprofile, keinen Speicher für eigene Rezepte und kein automatisches Reinigungsprogramm. Die Brühgruppe muss per Hand gespült werden .

Sind das Ausschlusskriterien? Für den ambitionierten Kaffeeliebhaber, der jede Variable kontrollieren will, sicherlich. Für alle anderen, die einen soliden, unkomplizierten Einstieg in die Welt der Vollautomaten suchen, ohne 800 Euro oder mehr auszugeben, sind die Tchibo-Maschinen eine hervorragende Wahl. Sie liefern guten Espresso, sind wartungsfreundlich und nehmen kaum Platz weg. Dass sie dabei auch noch gut aussehen, ist ein angenehmer Bonus.

Der Trend zur Langsamkeit: Manuelle Zubereitung mit Tchibo

Während die einen auf den Knopf drücken, entdecken andere die Langsamkeit wieder. Der Trend heißt Handaufguss, Pour Over oder French Press. Und auch hier ist Tchibo Kaffee präsent – mit passenden Produkten und einer Philosophie, die überraschend gut in die Zeit passt .

Die manuelle Zubereitung ist mehr als nur Kaffeekochen. Sie ist eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Der Duft von frisch gemahlenen Bohnen, das langsame Aufgießen des Wassers, das Quellen des Pulvers – all das sind sinnliche Erfahrungen, die in einer Welt voller Automatismen selten geworden sind. Tchibo nennt es „Slow Food für den Kaffee“ .

Die einfachste Variante ist die French Press. Hier kommt das Kaffeepulver direkt mit dem heißen Wasser in Kontakt, die Kaffeeöle bleiben erhalten. Das Ergebnis ist ein intensiver, vollmundiger Kaffee. Der Mahlgrad sollte grob sein, die Ziehzeit etwa vier Minuten. Der Stempel wird langsam heruntergedrückt, dann kann der Kaffee sofort serviert werden, sonst wird er bitter .

Wer es filigraner mag, greift zum Handfilter. Hier wird das Wasser langsam in kreisenden Bewegungen auf das Pulver gegossen – von der Mitte nach außen. Der Mahlgrad sollte mittelfein sein. Die Brühzeit beträgt drei bis vier Minuten. Das Ergebnis ist ein klarer, feiner Kaffee ohne Bitterstoffe. Ein kleiner Trick: Den Filter vorher anfeuchten, damit kein Papiergeschmack übergeht .

Die Königsdisziplin ist die Pour-Over-Methode. Hier kommt ein Permanentfilter aus Edelstahl oder Keramik zum Einsatz. Er lässt feinste Partikel passieren, die dem Kaffee einen besonders vollen Körper verleihen. Die ideale Wassertemperatur liegt bei 92 bis 96 Grad. Ein Wasserkessel mit Schwanenhals und Thermometer ist hier keine Spielerei, sondern ein echtes Werkzeug für präzises Arbeiten .

Welche Methode ist die richtige? Das hängt vom Geschmack ab. Die French Press liefert Körper und Fülle. Der Handfilter liefert Klarheit und Feinheit. Und die Pour-Over-Methode ist für die, die beides wollen und sich gerne Zeit nehmen. Tchibo Kaffee funktioniert übrigens mit allen Varianten – vorausgesetzt, der Mahlgrad passt.

Zwischen Tradition und Zukunft: Wo Tchibo heute steht

Fassen wir zusammen. Tchibo Kaffee ist ein Unternehmen im Umbruch. Auf der einen Seite steht eine beeindruckende handwerkliche Kompetenz. Der Eduscho Filterkaffee Nr. 1 Klassisch ist nicht nur ein Verkaufsschlager, sondern objektiv der bestbewertete Filterkaffee im aktuellen Stiftung-Warentest-Vergleich . Das ist eine Auszeichnung, die sich gewaschen hat. Wer den besten Kaffee macht, hat eine Daseinsberechtigung – auch wenn er teurer ist als die Discounter-Ware.

Auf der anderen Seite steht die Verantwortung. Hier hat Tchibo in der Vergangenheit geschlafen, das zeigen die Testergebnisse deutlich . Aber es wäre unfair, das Unternehmen auf diesen Befund zu reduzieren. Das Tchibo Kaffeeprogramm ist kein Feigenblatt, sondern ein ernsthafter Versuch, die Probleme an der Wurzel zu packen. 13.000 Farmen, neun Länder, 20 Prozent des Einkaufsvolumens, unabhängige Prüfung durch Enveritas – das sind Fakten, keine Versprechungen .

Das Ziel, bis 2027 nur noch verantwortungsvoll eingekauften Kaffee anzubieten, ist ambitioniert. Ob es gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, ob Tchibo die Kurve bekommt. Die strukturellen Herausforderungen sind enorm: Der Klimawandel wartet nicht auf Marketingpläne, und die wirtschaftliche Lage vieler Farmer ist prekär. Aber das Unternehmen hat in den letzten Jahren bewiesen, dass es aus Fehlern lernen kann. Die Abkehr von der reinen Zertifikatslogik hin zu maßgeschneiderten Regionalprogrammen ist ein Beleg dafür.

Was bedeutet das für Sie als Verbraucher? Sie müssen nicht auf Tchibo Kaffee verzichten, wenn Ihnen der Geschmack wichtig ist. Aber Sie sollten wachsam bleiben. Fragen Sie nach, woher der Kaffee kommt. Achten Sie auf die Kommunikation des Unternehmens. Und vor allem: Genießen Sie den Kaffee. Denn am Ende ist es das, was zählt – der Moment am Morgen, die Tasse in der Hand, der Duft in der Nase.

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Fazit: Tchibo Kaffee ist ein Versprechen – und eine Verpflichtung

Am Ende dieser langen Reise durch die Welt des Tchibo Kaffees bleibt ein zwiespältiges, aber letztlich hoffnungsvolles Bild. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren mehr getan, um den Kaffeeanbau zukunftsfähig zu machen, als viele seiner Kritiker wahrhaben wollen. Über 13.000 Farmen profitieren von Schulungen, neuen Anbaumethoden und widerstandsfähigeren Pflanzensorten . Das Ziel der 100-Prozent-Verantwortung bis 2027 ist kein leeres Marketingversprechen, sondern eine strategische Entscheidung mit harten Konsequenzen für Einkauf und Lieferkettenmanagement .

Gleichzeitig bleibt der Wermutstropfen. Die Stiftung Warentest hat gnadenlos offengelegt, was viele schon länger vermutet haben: Der gute Geschmack von Tchibo Kaffee steht auf einem Fundament, das in Sachen Arbeitsbedingungen und Umweltschutz lange vernachlässigt wurde . Der Abstand zu Vorreitern wie Lebensbaum oder auch zu den Eigenmarken von Aldi und dm ist noch immer erheblich. Diese Lücke zu schließen, ist die eigentliche Aufgabe der kommenden Jahre.

Für uns Kaffeetrinker bedeutet das, dass wir umdenken müssen. Der tägliche Genuss einer Tasse Tchibo Kaffee ist nicht nur eine Geschmacksfrage. Er ist auch eine Entscheidung für oder gegen bestimmte Praktiken in den Anbauländern. Die gute Nachricht: Tchibo arbeitet daran, diese Entscheidung leichter zu machen. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob der Wandel gelingt.

Bis dahin gilt: Genießen Sie Ihren Kaffee. Aber genießen Sie ihn bewusst. Vielleicht probieren Sie mal die manuelle Zubereitung mit der French Press. Vielleicht testen Sie den Esperto 2 Milk in Ihrer Küche. Vielleicht lesen Sie beim nächsten Einkauf einfach mal das Kleingedruckte auf der Verpackung. Es steckt mehr dahinter, als man denkt.

KategorieDetails zu Tchibo Kaffee
Testsieger 2025Tchibo Eduscho Filterkaffee Nr. 1 Klassisch (Note 2,0) 
Sensorik-BewertungSehr gut – kräftig, starkes Aroma, Schokoladennoten 
NachhaltigkeitsnoteAusreichend – Verbesserungsbedarf bei Arbeitsbedingungen und Umweltschutz 
Preis (pro kg)ca. 11,20 € (Testsieger) 
Nachhaltigkeitsziel100 % verantwortungsvoller Einkauf bis 2027 (aktuell: 20 %) 
Kaffeeprogramm13.000+ Farmen, 9 Länder, Prüfung durch Enveritas 
VollautomatenEsperto Pro, Esperto 2 Caffè, Esperto 2 Milk – gute Einsteigergeräte 

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Tchibo Kaffee der beste Filterkaffee in Deutschland?

Aktuell ja – zumindest wenn man dem Urteil der Stiftung Warentest vom Mai 2025 folgt. Der Tchibo Eduscho Filterkaffee Nr. 1 Klassisch erhielt als einziger Kaffee im Test die Bestnote „sehr gut“ für seinen Geschmack. In der Gesamtwertung (inklusive Schadstoffe und Verpackung) erreichte er die Note 2,0 und ist damit Testsieger vor allen anderen getesteten Marken .

Wie nachhaltig ist Tchibo Kaffee wirklich?

Das ist die große Schwachstelle. Im aktuellen Test der Stiftung Warentest zur Unternehmensverantwortung landete Tchibo auf dem letzten Platz (Note: ausreichend). Gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in sein eigenes Kaffeeprogramm. Über 13.000 Farmen werden mit maßgeschneiderten Maßnahmen unterstützt, und bis 2027 soll der gesamte Tchibo Kaffee aus verantwortungsvollem Einkauf stammen. Die Prüfung erfolgt unabhängig durch Enveritas. Das ist ein ambitioniertes Ziel – ob es erreicht wird, bleibt abzuwarten .

Welcher Tchibo-Vollautomat ist der beste?

Das hängt von Ihren Bedürfnissen ab. Der Tchibo Esperto Pro ist der Testsieger bei Computer Bild: kompakt, günstig (ca. 280 Euro), mit Milchsystem. Wer zwei Tassen gleichzeitig zubereiten möchte, greift zum Esperto 2 Caffè (kein Milchsystem) oder zum Esperto 2 Milk (mit Milchsystem, ca. 350 Euro). Allen Maschinen gemeinsam ist die einfache Bedienung, die kompakte Bauweise und die Einschränkung bei der Getränkevielfalt .

Was ist der Unterschied zwischen Tchibo und Eduscho?

Eduscho ist seit 1997 eine Marke von Tchibo. Die beiden Traditionsröstereien fusionierten damals, die Marke Eduscho blieb aber als eigenständige Produktlinie erhalten. Der Tchibo Eduscho Filterkaffee Nr. 1 Klassisch ist das bekannteste Produkt dieser Linie und zeichnet sich durch seinen kräftigen, bitter-schokoladigen Geschmack aus .

Wie bewahre ich Tchibo Kaffee richtig auf?

Luftdicht, lichtgeschützt, kühl und trocken. Ein Gefäß aus Metall, Glas oder Keramik mit dicht schließendem Deckel ist ideal. Ganze Bohnen halten sich im Kühlschrank etwa vier Wochen, gemahlener Tchibo Kaffee etwa zwei Wochen. Bitte nicht neben dem Herd oder der Kaffeemaschine lagern – Wärme ist der Feind des Aromas .

Warum ist Tchibo Kaffee teurer als Aldi-Kaffee?

Der Tchibo Kaffee (Testsieger) kostet mit 11,20 Euro pro Kilogramm etwa 30 Prozent mehr als der Aldi Nord Barissimo Classic (8,60 Euro). Der Preisunterschied erklärt sich teilweise durch die unterschiedlichen Einkaufsmengen und Marketingbudgets. Ob er geschmacklich gerechtfertigt ist? Der Test sagt ja. Ob er ethisch gerechtfertigt ist? Das müssen Sie selbst entscheiden – die Nachhaltigkeitsbewertung von Aldi war deutlich besser .

Gibt es Tchibo Kaffee auch ohne Zucker und fettarm?

Ja, international ist Tchibo mit dem „Black & White“-Serie erfolgreich, einem gefriergetrockneten Instantkaffee ohne Zuckerzusatz und mit 0 Prozent Fett. Er wird aus 100 Prozent Arabica-Bohnen hergestellt und ist besonders bei gesundheitsbewussten Konsumenten beliebt. In Deutschland ist dieses Produkt vor allem online erhältlich .

Welcher Mahlgrad ist für die Filtermaschine richtig?

Mittelfein. Das Pulver sollte nicht zu grob sein (sonst läuft das Wasser zu schnell durch), aber auch nicht zu fein (sonst wird der Kaffee bitter und der Filter läuft über). Die Tchibo-Experten empfehlen für die Filtermaschine einen mittelfeinen Mahlgrad – in den Filialen können Sie Ihren Tchibo Kaffee übrigens genau darauf einstellen lassen .

Kann ich Tchibo Kaffee auch kalt trinken?

Absolut. Der Trend geht zum Cold Brew oder einfach zum klassischen Eiskaffee. Besonders die Barista-Mischungen von Tchibo eignen sich gut für die kalte Zubereitung. Ein Tipp: Brühen Sie den Kaffee doppelt so stark wie gewöhnlich und gießen Sie ihn über Eiswürfel – so bleibt das Aroma erhalten und der Kaffee verwässert nicht .

Wird Tchibo Kaffee auch in Zukunft bezahlbar bleiben?

Das ist die große Frage. Die Kosten für nachhaltigen Anbau sind höher, die Erträge schwanken wetterbedingt. Tchibo versucht, durch langfristige Lieferverträge und direkte Partnerschaften mit den Farmern die Preise zu stabilisieren. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, ob die Verbraucher bereit sind, für verantwortungsvoll produzierten Tchibo Kaffee einen fairen Preis zu zahlen. Die Alternative wäre eine Kaffeeknappheit mit explodierenden Preisen – und die will niemand .

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